Fachinformatik

proTirone: Was müssen wir eigentlich lehren und lernen?

Ges­tern hat­te ich mei­ne Unter­richts­ein­hei­ten für das Lern­feld 09 aus dem ers­ten Halb­jahr 2025/26 ins Git­Hub-Repo­si­to­ry protico.lessons hoch­ge­la­den. Heu­te folg­ten die Cur­ri­cu­lums­ein­hei­ten für LF.03, LF.11c und LF.11d. Eine gute Gele­gen­heit zu sagen, woher ich eigent­lich weiß, was ich leh­ren bzw. mei­ne Schü­le­rin­nen ler­nen müs­sen, damit es mit der AP1 und AP2 klappt.

Was wäre ein adäquates Curriculum?

Ganz oben setzt der Rah­men­lehr­plan die Maß­stä­be – ver­bind­lich vor­ge­ge­ben von der KMK. Er skiz­ziert die Lern­fel­der inhalt­lich und ord­net den schu­li­schen Stoff auch der betrieb­li­chen Aus­bil­dung zu. Was prü­fungs­re­le­vant ist, beschreibt er jedoch nicht so genau, dass wir – die Leh­re­rin­nen oder die Schü­le­rin­nen – dar­aus direkt ablei­ten könn­ten, was zu tun ist. Täte er das, wür­de er näm­lich sein For­mat spren­gen.

Für die Ver­fei­ne­rung sind die fach­spe­zi­fi­schen Prü­fungs­ka­ta­lo­ge zustän­dig. Sie kon­kre­ti­sie­ren die Vor­ga­ben des Rah­men­lehr­plans und legen fest, was Gegen­stand der Prü­fun­gen wer­den kann. Der U‑Form-Ver­lag druckt und ver­treibt die Prü­fungs­ka­ta­lo­ge. Her­aus­ge­ge­ben wer­den sie dage­gen von der ZPA Nord-West. Den Inhalt bestimmt also die “Zen­tral­stel­le für Prü­fungs­auf­ga­ben der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern” — wobei sie aktu­ell der “Ver­ord­nung über die Berufs­aus­bil­dung zum Fach­in­for­ma­ti­ker / zur Fach­in­for­ma­ti­ke­rin vom 5. März” folgt.1

Die kon­kre­ten Prü­fun­gen wer­den von einem “bun­des­weit besetz­ten Fach­aus­schuss” ver­fasst, der “drit­tel­pa­ri­tä­tisch mit Ver­tre­tern der Arbeit­ge­ber, Arbeit­neh­mer und Leh­rern an Berufs­bil­den­den Schu­len” besetzt ist. Die­se “hoheit­li­che Auf­ga­be” liegt eben­falls in den Hän­den der ZPA/IHK Nord-West.2 Die Auf­ga­be der loka­len, IHK-spe­zi­fi­schen Prü­fungs­kom­mis­sio­nen besteht also ’nur’ noch dar­in, den ‘Abstand’ zwi­schen kon­kre­ter Klau­sur und Mus­ter­lö­sung zu bestim­men.

Die Lern­fel­der 01 bis 09 sind für alle Fach­rich­tun­gen (FIAE, FISI, FIDP, FIDV) die­sel­ben. Des­halb steht auf den Sei­ten 09 — 22 der Prü­fungs­ka­ta­lo­ge auch das­sel­be. Erst ab Sei­te 23 wird der Stoff fach­spe­zi­fisch dif­fe­ren­ziert. Was in der AP1 vor­kom­men kann, beschrei­ben die Sei­ten 09–16, was in AP2, die Sei­ten 17–33. Dem­nach wer­den in der AP1 LF.01 bis LF.07 geprüft. In der AP2 kön­nen aller­dings – außer LF.08, LF.09, LF.10 (c/d), LF.11 (c/d) und LF.12 (c/d) – trotz­dem auch wie­der The­men aus LF.01 bis LF.07 vor­kom­men. Das ergibt sich aus der Natur der Sache. Und aus den Sei­ten 17–22 der Prü­fungs­ka­ta­lo­ge.

Damit hät­ten wir eine belast­ba­re Basis: Wir müss­ten doch nun nur noch aus den Prü­fungs­ka­ta­lo­gen die lern­feld­spe­zi­fi­schen Aspek­te her­aus­su­chen und in einer Lis­te zusam­men­fas­sen. Am bes­ten zum Abha­ken. Damit könn­ten wir che­cken, ob wir Leh­re­rin­nen den in der Prü­fung zu erwar­ten­den Stoff gelehrt bzw. Sie den Stoff gelernt haben. Noch bes­ser wäre es, wenn wir zudem die kon­kre­ten Prü­fungs­auf­ga­ben der ver­gan­ge­nen Jah­re in glei­cher Wei­se sich­ten und auf­lis­ten wür­den. Dann hät­ten wir die Theo­rie an der Pra­xis ‘ver­probt’. Und neben­bei noch unse­ren Lern­ka­ta­log ver­fei­nert.

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Genau das habe ich für jedes mei­ner Lern­fel­der gemacht: Die protico.lessons-Ord­ner für LF.03, LF.09, LF.11c und LF.11d ent­hal­ten die Datei­en “sbj-00.curriculum-zenprese.pdf” und “sbj-00.curriculum-oraltrack.pdf”. Ers­te­re ent­hält ein Sheet zur The­men­syn­op­se, letz­te­re die ent­spre­chen­den Check­lis­ten und Prü­fungs­aus­wer­tun­gen.

Und was bleibt?

Mir war es wich­tig, mei­nen Schü­le­rin­nen und mir eine wohl­be­grün­de­te Check­lis­te bie­ten zu kön­nen. Dass die Schu­le nicht alles unter­rich­ten kann, ergibt sich aus unse­rem dua­len Aus­bil­dungs­sys­tem, bei dem die Schu­le nur 1/3 der Aus­bil­dungs­zeit ‘belegt’. Mir signa­li­siert die­se ganz­heit­li­che Lis­te den­noch, wor­auf ich mich kon­zen­trie­ren soll­te: Mei­ne Lehr- und Lern­un­ter­la­gen sol­len mög­lichst viel Stoff erfas­sen. Und ich möch­te am Ende eines Unter­richts­jah­res für jede Klas­se so vie­le Häk­chen wie mög­lich set­zen kön­nen. Für die Schü­le­rin­nen wäre es umge­kehrt auch ein Gewinn, an feh­len­den Haken zu sehen, was sie sich ggf. noch selbst aneig­nen müs­sen.

Ein kleiner Disclaimer …

Ja, ich weiß: Die 2/3‑­Fir­ma‑1/3‑­Schu­le-Regel habe ich schon erwähnt. Aber die ist nur for­mal. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Auf­tei­lung gar nicht genau­er gere­gelt wer­den kann. Eine gute Fir­ma kon­zen­triert sich auf das, was ihr Busi­ness aus­macht. Und das muss nicht unbe­dingt alle Aspek­te unse­res Stof­fes umfas­sen. Was wel­che Fir­ma zur Aus­bil­dung bei­trägt, vari­iert mit­hin. Also wird es – so sage ich es mei­nen Schü­le­rin­nen unver­blümt – in etwa auf eine 1/3‑­Fir­ma‑1/3‑­Schu­le‑1/3‑Ei­gen­in­itia­ti­ve-Auf­tei­lung hin­aus­lau­fen. Bes­ser, sie rich­ten sich von Anfang an dar­auf ein. Mir selbst dage­gen kann ich ja trotz­dem vor­neh­men, alle wesent­li­chen Aspek­te lehr- und lern­bar zu machen. Mit der Zeit. Schritt für Schritt.

… und etwas über uns!

Berufs­schu­len die­nen der Aus­bil­dung. Kei­ne Fra­ge. Aber nicht nur. Sie haben auch einen Bil­dungs­auf­trag. Wie sich Bil­dung von Aus­bil­dung abgrenzt, das ist – so wür­de von Inn­stet­ten sagen – ein wei­tes Feld. Aber es steht das eine dem ande­ren nicht im Wege. Im Gegen­teil.


Und was ist der größere Zusammenhang?

Auch unser Pro­jekt pro­Ti­rone­Com­pu­ta­tri beginnt mit dem wohin und wozu, gefolgt von einer klei­nen Reorg. Den Scope zu klä­ren, ist wich­tig. Beim Unter­richt heißt das nur anders, näm­lich Cur­ri­cu­lum.

Im Übri­gen: Män­ner sind mit­ge­meint.

  1. Über­prüft habe ich die­se ‘biblio­gra­fisch-orga­ni­sa­to­ri­schen Hin­wei­se‘ für die Prü­fungs­ka­ta­lo­ge FIDP, 2. Auf­la­ge, 2024 und FIDV, 2. Auf­la­ge, 2024 []
  2. vgl. ZPA Nord-West, wir über uns. []

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